


Die Geschichte und die Gedichte der Jhanak Kumari
Jhanak Kumari,
die cerebral geschädigte junge Frau aus dem Südosten Nepals, die ihre Arme
nicht bewegen kann und deshalb mit den Füßen schreibt. Jhanak Kumari, die in
Nepal recht bekannt ist, hat mehrere Bücher geschrieben. In einem Buch sind
ausschließlich Gedichte gesammelt.
Der Käfig
Ich lebe im Palast des Königs
wo die Feen und die Engel tanzen,
ich lebe im himmlischen Luftschloss
wo Einhörner springen und Phönixe aus der Asche steigen -
doch: ich hause in einem Käfig
Ich kann essen was immer ich mag
manchmal Gemüse manchmal Fleisch
sogar im Alter
schütteln mich nicht Hitze noch Kälte -
doch: ich hause in einem Käfig
Ich nenne alle Schätze dieser Erde mein eigen
und seit ich atme auch den reichsten Mann
Diener geben was ich brauche doch:
ich hause in einem Käfig und
Ich sehne mich nach Freiheit
Jhanak Kumari
Zerebrale Kinderlähmung beschreibt einen Symptomenkomplex, der auf
einer zentralen (im Gehirn) Störung der Muskelkoordination beruht. Die Ursachen
können daher sehr verschieden sein und reichen von Unfällen,
Infektionserkrankungen des Gehirns bis zu Schädigungen des Gehirns durch
Sauerstoffmangel während des Geburtsvorganges oder unmittelbar danach. Durch
die zunehmende Zahl von immer früher geborenen und überlebenden Frühgeborenen
nimmt auch in den Industrieländern das Problem in der letzten Zeit zu. Man
schätzt, dass weltweit etwa 1/400 Neugeborenen betroffen ist. So vielfältig die
Ursachen, so unterschiedlich ist auch das klinische Erscheinungsbild, neben
einem wachsenden Anteil an schwerst- und vielfach-behinderten Kindern gibt es
solche mit nur wenig ausgeprägter Spastik oder solche, die in ihrer Intelligenz
kaum bis überhaupt nicht betroffen sind. Diese massiven individuellen
Unterschiede machen eine gezielte Betreuung jedes einzelnen Patienten und
seiner Familie notwendig. In den ärmsten Ländern, wie Nepal, sind die
Betroffenen und ihre Familien oft hilflos auf sich allein gestellt in einer
Situation, die sie in aller Regel materiell und psychisch überfordert. Nicht
selten werden die Kinder sich selbst überlassen oder gar weggesperrt. Dabei
lässt sich durch einfache physio- und ergotherapeutische Maßnahmen Not und
Leiden zumindest in begrenztem Maße lindern. Dies hat sich die Self Help Group
of Cerebral Palsy in Kathmandu zur Aufgabe gemacht. Unterstützung erfährt sie
dabei durch das Ehepaar Gross-Selbeck, die als Neurologe bzw. Physiotherapeutin
fachlich höchst kompetente Begleiter des Projektes sind.
Das Projekt unterhält ein Rehabilitationszentrum in Kathmandu, in dem jährlich
etwa 400 Kinder aus der Umgebung betreut werden.
Neben dem Zentrum unterhält das Projekt ein ausgeklügeltes Outreach Programm.
Sogenannte Home Visitors sind einem Distrikt zugeordnet und sollen dort nach
neuen Fällen suchen und die bereits bekanten Kinder betreuen.Neben der
physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Betreuung der Kinder erfolgt eine
ausführliche Beratung und Schulung der Eltern. Diese werden bei der Bildung von
Selbsthilfegruppen unterstützt, in der einmal die Mitglieder Rat und Hilfe
finden können, deren Aufgabe aber auch die Öffentlichkeitsarbeit ist, um so die
soziale Ausgrenzung vieler Familien mit Behinderten Kindern zu mindern. Ein
Home visitor kümmert sich um etwa 30-50 Kinder, die er, entsprechend den
Bedürfnissen, wiederholt besucht (zwischen 2 und über 20 Besuchen pro Patient
und Jahr)
Bimal, der Manager des Projektes, berichtet: "Zunächst sind die Eltern oft sehr
kritisch und abwehrend, wenn wir zu ihnen in die Dörfer kommen und ihrem Kind
helfen wollen", die Eltern schämen sich ob des Kindes, fühlen sich allein
gelassen. "Nach einiger Zeit ändert sich das, die Kinder machen vorsichtige
Fortschritte, das erfüllt die Eltern mit Stolz und sie öffnen sich, sind
allmählich bereit, die Betreuung ihrer Kinder umzustellen." Bimal ist die
Freude darüber anzumerken, dass so neben den Kindern auch den Eltern geholfen
wird. Der ganzen Familie wird Selbstvertrauen und Stolz geschenkt.
Die Nepal Hilfe Aachen finanziert mittlerweile das Home Visitor Programm in 6
Distrikten. In Tanahu wurde außerdem ein Motorrad angeschafft, dadurch ist es
nun möglich sogar noch mehr Kinder zu betreuen.