Weihnachtsspende 2016: Das Dorfhaus von Thakumajh

Wie jedes Jahr haben wir für die Weihnachtsspendenaktion ein ganz besonderes Projekt ausgesucht.
Dieses Jahr ist es das Dorfhaus (community house) in Thakumajh im Distrikt Gorkha. Wozu braucht die Gemeinde ein Dorfhaus?

Die Gemeinde Thakumajh hat durch das Erdbeben, dessen Epizentrum nur 10 km entfernt lag, viele Bewohner und Gebäude verloren.
Viele Menschen leben immer noch in notdürftigen Behausungen und haben den zweiten Winter darin vor sich.
Aber das Erdbeben hat die Bewohner von Thakumajh auch neu zusammengeschweißt. Ein Gemeinschaftssinn entstand und das Verständnis, dass sie gemeinsam das Dorf entwickeln müssen, damit alle eine Chance auf einen Neuanfang haben. 

Nach einer Phase der gemeinsamen Nothilfe unmittelbar nach dem Beben bildete sich im Dorf eine Kooperative, die sich um die Förderung der Landwirtschaft und um Mikrofinanzierung kümmert.
Die Kooperative trägt den Namen „Pipalbot Agriculture Co-Operative“. Der Pipal-Baum (Ficus religiosa bzw. Pappelfeige) stellt in vielen nepalischen Dörfern den zentralen Treffpunkt der Dorfgemeinschaft dar.


Dorfplatz mit Pipal-Baum in Thakumajh

Das Ziel der Kooperative ist jedoch nicht der rein ökonomische Gewinn, sondern die Investition der Überschüsse in soziale Projekte des Dorflebens. Mitbegründer und Berater der Kooperative ist Debendra Pokharel, der in Kathmandu bereits erfolgreich im Hotel-Projekt „Cocina Mitho Chha“ gezeigt hat, wie sich soziales Engagement mit unternehmerischen Grundsätzen verbinden lässt. Er betreibt das Hotel und Restaurant mit jugendlichen Waisenkindern als Angestellten, die er dort in allen Tätigkeiten des Hotelwesens ausbildet (www.cocinamithochha.com).

 

Debendra Pokharel beim Besuch des Elisenbrunnens in Aachen im August 2016 sowie mit seiner Frau Narbina vor dem Kölner Dom, ebenfalls im August 2016

Die Kooperative in Thakumajh wird von lokalen Bewohnern organisiert und geleitet. Inzwischen sind der Kooperative 85 Familien mit über 100 Mitgliedern beigetreten. Die ersten Aktivitäten zur Förderung der Landwirtschaft (Unterstützung beim Saatgutkauf und Anpflanztechniken) sind ebenso erfolgreich angelaufen wie die ersten sozialen Aktivitäten. So wurde eine Kampagne „plastic free zone“ gestartet, in der insbesondere die Kinder zum reduzierten Einsatz von Plastiktüten und dem Sammeln weggeworfener Tüten animiert wurden. Auch Sportkurse und zusätzlicher Englisch-Unterricht wurden den Kindern angeboten. Für Senioren, die aufgrund des Exodus nepalischer Arbeiter in den Nahen Osten heute oftmals auf sich allein gestellt sind, wurden gemeinsame Nachmittage und Abendessen initiiert.

Das Dorfhaus dient als Versammlungsstätte für die Kooperative und Veranstaltungsraum für die sozialen Aktivitäten. Gerade in den kalten Wintermonaten und den nassen Sommermonaten des Monsuns ist ein entsprechendes Gebäude wichtig, da dann die Aktivitäten nicht ins Freie verlegt werden können. Andere Gebäude, die eine solche Funktion erfüllen könnten, gibt es in Thakumajh seit dem Erdbeben nicht mehr.

Die Nepal-Hilfe Aachen ist überzeugt, dass das Dorfhaus das Dorfleben erfolgreich fördern wird und sieht es in der Tradition seiner Projekte im Bereich der Dorfentwicklung.

Beim Besuch unseres Vorstandsmitglieds Ralf Pütz in Kathmandu konnten bereits erste Entwürfe des Architekten Resham diskutiert werden. Das einstöckige Gebäude wird einen großen Versammlungsraum sowie ein Büro und einen Speicherraum umfassen.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns durch ihre Spende für dieses Dorfhaus in besonderer Weise unterstützen.

Ralf Pütz