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Das Projekt im Überblick: 


Ziel: Stärkung der Frauen in der politischen Arbeit Durchführung:

  • Abstimmung der Trainingsinhalte mit den Frauen aber auch den männlichen Repräsentanten in den ausgewählten Dörfern 
  • Verschiedene Gruppierungen der Zivilgesellschaft (Parteien, Frauengruppen, ..) wählen Frauen für die Schulung aus  
  • theoretische Trainingsinhalte: politische Struktur Nepal, Recht der Frauen, Wahlrecht
  • praktische Trainingsinhalte: Rhetorik, Diskussionsführung, Durchführung von kulturellen Programmen (Schauspiel, u.a.)

Verbreitung von Informationen

  • Kulturelle Programme zur Information der Dorfbevölkerung
  • Einrichtung von Frauengruppen und Mikrokredit-Schemata
  • Informationsveranstaltung für die gesamte Dorfbevölkerung über das Wahlsystem, das Wahlrecht und die Rolle der Bevölkerung in einer Demokratie
    Kosten: 50.000 Euro über 3 Jahre Ergebnisse: 
  • Schulung von 2400 Frauen in Kleingruppen
  • Information von mehreren 10.000 Frauen und Männern durch Massenveranstaltungen
  • Im Projektgebiet sind Frauen aller politischen Parteien gewählt worden die Frauen geben fühlen sich gestärkt und für die kommenden Aufgaben vorbereitet
  • In der verfassungsgebenden Versammlung ist nepalweit die Quote von 30% Frauen erreicht

Politische Bildung

In der Entwicklungszusammenarbeit spielen die Frauen als Ansprechpartner und Projektverantwortliche eine zunehmend große Rolle. Auch in der nepalischen Verfassung ist eine Einbeziehung der Frauen in leitende und verantwortliche Positionen festgeschrieben.
Schon die Verfassung von 1990 strebt einen Anteil von 30% Frauen im Parlament an. Trotzdem sind Frauen kaum vertreten (15/205 Parlamentsmitgliedern).
Bei der Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung im Jahr 2007 wurden ein Drittel aller Sitze im Parlament für Frauen reserviert. Ähnliches galt für die Distrikt- und Dorfverwaltungen. Nun ist eine starke Repräsentation von Frauen in den Entscheidungsgremien nicht gleichzusetzen mit einer aktiven und bestimmenden Teilnahme an den Entscheidungen. Dazu bedarf es einer Ausbildung und Schulung der potentiellen Kandidatinnen, sowohl in den zentralen als auch in den peripheren Entscheidungsgremien. 
Die Rural Development Foundation, eine juristische NGO widmet sich seit Jahren als Berater der Regierung aber auch in den dörflichen Strukturen diesem Thema.  Das Projekt fand in zwei unterprivilegierten Distrikten Nepals statt: in Nuwakot, in den Hügeln gelegen und Rautahat im Terrai.
In der Vorbereitung der Wahlen wurden mehrere Veranstaltungen durchgeführt, die für die Wahl von Frauen in verantwortliche Positionen warben. Dies wurde von allen Parteien begrüßt und aktiv unterstützt. Gleichzeitig wurden Frauen, die von den Parteien genannt und teilweise auch geschickt wurden, an ihre Arbeit in Führungspositionen herangeführt. Sie engagierten sich in Projekten der Dorfentwicklung (Wasser, Toiletten, Gesundheit) und wurden darin von unseren Projektpartnern unterstützt. Außerdem organisierten sie monatlich eine kulturelle Veranstaltung, die auch genutzt wurde, die Wählerinnen zu informieren und zur Wahl aufzurufen. Auf diese Weise hat das Projekt in den Distrikten etwa 30.000 Frauen erreicht. Nach der Wahl wurden die Frauen weiter in ihren Aktivitäten unterstützt.
Nepalweit haben sich mehr Frauen an der Wahl beteiligt und die Zahl der gewählten Volksvertreterinnen ist gestiegen, über alle Parteigrenzen hinweg. Auch die Gelder, die in den Verwaltungsstrukturen für die Förderung der Frauen reserviert werden, sind aufgestockt worden. Eine direkte Auswirkung des Projektes ist natürlich schwer messbar.  Stattdessen sollen einige Beispiele aus dem Projekt zeigen, was bei Einzelnen bewegt wurde.

Ms. Amrita Saha, coordinator, women pressure group, Britiprastoka
Bis vor 2 Jahren gab es im Dorf kein Projekt zur Unterstützung von Frauen. Ich bin 10 Jahre in die Schule gegangen, aber ich wusste nicht, wie wichtig es ist, dass Frauen lesen und schreiben können und wie sehr sie davon profitieren. Viele Frauen hier sterben unnötigerweise, sie werden von ihren Männern geschlagen. Ich konnte nichts machen, außer stumm zuschauen.
Als 2007 das Programm startet wurde ich beauftragt, die Frauen zu versammeln. Es kamen etwa 500.
Sie forderten eine Gemeinschaft zu bilden, um ihren Belangen Gehör zu verschaffen. Ich wurde zu ihrer Leiterin bestimmt. Mittlerweile bin ich in der 12. Klasse, wir haben den Frauen eine Stimme gegeben, auch die Ärmsten fordern nun an den Entscheidungen beteiligt zu werden und den politischen Parteien ist unsere Meinung wichtig. Ich bin auch Verbindungsperson zum District Development Office.

Ms. Sita Khatiwada, coordinator, women pressure group, Taruka
Ich arbeite seit 12 Jahren als Freiwillge. In unserem Dorf sind die Frauen total abhängig von ihren Männern, sie haben kein eigenes Geld. Mit RDF haben wir ein Mikrokreditprogramm angefangen. Einige Frauen haben Vieh gekauft, andere haben in ihre Arbeitsgeräte investiert. Ich selbst habe ein paar Ziegen gekauft, dadurch verdiene ich jetzt 30-40.000 Rupies pro Monat und kann meine Schulden zurückzahlen. Nachdem andere meinen Erfolg gesehen haben, möchten sie nun dem Projekt beitreten.

Ms. Junu Mijar, member, pressure group, Suryamati
Ich bin von einer Dalit Gemeinde. Ich bin in meinem Dorf oft schlecht behandelt und diskriminiert worden. Ich konnte nicht zur Schule gehen, mein Vater hatte kein Geld. Als RDF kam, sah ich das Treffen der Frauen, ich habe mich vorsichtig an den Rand gesetzt, aber eine Mitarbeiterin von RDF hat mich gesehen und nach vorne gerufen. Ich war sehr schüchtern, konnte kaum meinen Namen sagen. Ich war 22 Jahre alt. Die Frau bat mich in der Gruppe mitzuarbeiten, ich habe gesagt, dass ich nicht lesen kann, aber dann habe ich doch mitgemacht. Ich habe über die Rechte der Frauen und die Wahlen gelernt und obwohl ich nicht lesen und schreiben kann, fühle ich mich jetzt stärker.
Ich habe einen Kredit von 20.000 Rp bekommen, von denen ich mir eine Nähmaschine gekauft habe, Jetzt arbeite ich als Schneiderin. Sogar mein Ehemann hat angefangen mich zu achten. Ich bin RDF sehr dankbar.